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Corona Zukunft

 

Virus - eine Reg-nose

Der Blick aus der Zukunft in die SARS CoV2 / Covid-19-Ära

 

Ein Beitrag von Klemens Maria Riegler für www.szene.it
Längerer Text zum Lesen - wer grad Zeit übrig hat.

Siehe auch: Das Gute an Corona oder
Ein Prognose-Versuch: WirUs-Zukunft

 


Ein Rückblick in unsere Zeit -

von Klemens Riegler - erstellt 23.3.2020

11.  Juni 2021
Ein Blick zurück ... auf eine schlechtere Welt

Auch als PDF downloadbar - oder lesbar: http://www.szene.it/subpage/11-Juni-2021.pdf

Ich sitze hier im Schatten einer großen Zeder beim Cafe St. Anton auf den Talferwiesen in Bozen. Die Sonne scheint, es ist warm, fast heiß. Der „Liscio“ ohne Zucker ist besser als früher. Zumindest kommt es mir so vor. Vielleicht hat der Pächter Kaffeesorte gewechselt oder vielleicht schmeckt er mir heute einfach nur besser. Es ist relativ ruhig hier. Ich höre verschiedenste Vögel zwitschern. Ich kenne mich da nicht so aus, aber ich habe den Eindruck dass es mehr Vögel sind ... und viel lauter. Im Mai vor zwei Jahren war ich auch hier. Okay, das Wetter war damals nicht so besonders, ich selbst ein wenig gestresst. Selbst das Kaffeetrinken erschien mir als Zeitverschwendung.  Letztes Jahr war zu. Da hat so ein Virus namens Corona oder Covid19 - andere bezeichneten es auch als SarsCov2 - das Leben so ziemlich entschleunigt um nicht zu sagen still gelegt. Das war nicht einfach. Soweit ich mich erinnere wurde schon Anfang März das öffentliche Leben schon langsam zurück gefahren. Anfangs mussten die Schulen schließen und fast täglich hat es anschließend alle Sektoren getroffen. Schon gegen Mitte-Ende März war alles zu was nicht mit Lebensmittelversorgung oder Medizin zu tun hatte. Logisch, der Tabacchino hatte auch offen. Auch dieses Promenaden-Kaffee war geschlossen. Uns wurde untersagt unsere Wohnungen zu verlassen um die Übertragungskette dieses Virus zu unterbrechen. Wir sind schlussendlich besser weggekommen als die Lombardei. Dort gab es abertausende von Toten. Meist ältere und kränkliche Menschen, aber auch jüngere waren dabei. Auch wir in Südtirol hatten bis Herbst einige Hundert Verstorbene zu beklagen. Auch eine Tante von mir, zwei  Nachbarn und einige weitere Eltern von Freunden und Bekannten sind dem Virus zum Opfer gefallen. Freilich, meine Tante war schon 87 und etwas gezeichnet. Aber sie war eigentlich sonst noch ziemlich selbstständig.  Sie starb zu Hause, weil es keinen Sinn mehr gehabt hätte sie intensivmedizinisch zu versorgen. Unter normalen Umständen hätte man es wohl versucht, aber das Bozner Krankenhaus und die Rettungsdienste waren ziemlich überlastet. 

Einige Leute schlendern vorbei. Sie scheinen gelassen, ihre Gesichter strahlen Zufriedenheit aus, sie sind fröhlich. Mir fällt auch auf, dass es nicht nur ältere Menschen sind die hier flanieren, sondern auch jüngere die scheinbar einfach nur des Spazierens wegen spazieren. Und nicht um von da nach dort zu gelangen.

Auf dem Nebentisch ist grad einer aufgestanden. Die Tageszeitung liegt dort. Auf der Titelseite winkt mir ein Fußball entgegen. Logisch, schließlich ist heute EM-Eröffnung.  Ja, auch den Sport hatte es letztes Jahr ordentlich erwischt. Alle Fußballspiele wurden abgesagt und diese Europameisterschaft ist eben auf heuer verschoben worden.  Auch die Olympiade in Tokio wurde ja letztes Jahr erst relativ spät auf heuer geschoben.  Mitte März wollte das IOC die Sommerolympiade ja noch bedingungslos durchziehen, aber es wäre wohl ein trauriges Schauspiel geworden, denn viele Athleten hatten mitgeteilt nicht nach Tokio zu fliegen. Diverse Landesverbände hatten sich anschließend ebenfalls vom IOC distanziert und ihr Fernbleiben angekündigt. IOC-Chef Thomas Bach musste dann die Reißleine ziehen und die Japaner auf heuer vertrösten.

Weil ich noch etwas Zeit habe werfe ich noch einen weiteren Blick in diese Zeitung. Ganz oben wird auf einen Artikel auf Seite 5 verwiesen. „Geburtenrate gestiegen“ steht dort. Auf der entsprechenden Seite verweist der Autor auf die neueste Statistik nach der die Geburtenrate sowohl in Italien wie  auch in Südtirol – nach Jahren in die andere Richtung – wieder etwas gestiegen sei. Auffallend seien die Monate Dezember bis März dieses Jahres. 

Ich blättere weiter während mir auffällt, dass dieses Lüftchen welches immer um diese Zeit aus dem Sarntal entlang der Talfer bis zum Virgl bläst heute recht erfrischend ist. Es ist warm ja, aber das Lüftchen tut echt gut. Es ist gute Luft, nicht so gut wie vor gut einem Jahr als Bozens Straßen leergefegt waren wie an einem dieser autofreien Sonntage die es seit einigen Jahren gab. Ich kann mich sogar erinnern, dass der Autobahnpräsident auf Rai-Südtirol gesagt hatte, dass am 19. März 2020 insgesamt nur 16 Autos auf dem Südtiroler Teilbereich der A22 unterwegs waren. Das hat es seit der Eröffnung der Autobahn nicht gegeben - also noch nie. Das Landesamt für Luft und Lärm meldete Ende März einen Rekordtiefststand bei den NO2, PM10 und PM2,5-Werten. Die Werte sind heuer wieder schlechter geworden, aber sind immer noch besser als 2019.
Dazu passt auch die Meldung die ich auf Seite 7 finde, wonach vielleicht die sinkende Anzahl an Patienten mit Atemwegsbeschwerden und damit zusammenhängenden Pathologien auf die bessere Luftqualität zurück zu führen sein könnten. 

Auf Seite 3 hatte ich vorher einen Beitrag über die Straßen-Infrastruktur übersehen. Ich lese dort, dass einige Großprojekte aufgeschoben werden müssten oder vielleicht gar nicht mehr realisiert würden. Laut neuesten Messdaten der Gemeinde Bozen sei die PKW-Frequenz nicht auf dem Niveau von 2020 aber es seien 15 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs als noch 2019. Zurück zu führen sei das auf die seit Herbst letzten Jahres eingeführten Maßnahmen in Sachen „Home-Office“.  Ich erinnere mich gut. In der Corona-Zeit wurden viele Mitarbeiter zur Arbeit „Zu Hause“ verdonnert. Aber nach der Krise hatte man verstanden, dass „Smart-Working“ sowohl für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer durchaus vorteilhaft sein kann. Arbeitnehmer profitieren von der Zeitersparnis bei den täglichen Fahrten, Arbeitgeber haben glücklichere Angestellte und die Umwelt bedankt sich auch. Und nebenbei waren die Öffentlichen Kassen aufgrund der vielen Hilfsmaßnahmen natürlich auch leer. Auch darum wurden Großprojekte vorläufig aufgeschoben. 

Mein Smartphone vibriert - ich schaue auf meine Smart-Watsch - auf dem Display sehe ich, dass mein Investment-Fond im letzten Quartal wieder 4% zugelegt hat. Nein, ich habe nie viel spekuliert, aber meine Bank hatte mir bei der Null-Zinspolitik zu einer relativ sicheren Anlage geraten. Wahrscheinich mind. 2,5  bis 5% Rendite ... alles mehr als Null hatte man mir gesagt. Der Börsencrash hatte natürlich trotzdem mein Erspartes halbiert, aber schön langsam geht es wieder aufwärts. Bis ich wieder auf „Null“ bin, wird es wohl trotzdem noch dauern.  Und andererseits denk ich mir – und man sieht und hört das auch – ist Geld nicht mehr so wichtig wie vor Corona. Die Mieten sind wieder etwas gesunken und laut ASGB sind wir heute dem „leistbarem Wohnen“ schon viel näher.

Mein Smartphone klingelt – auf dem Display leuchtet „Franz“ ... hoi Franz, wia geats? olls guat bei dir?  .... Danke, jo jo alles bestens ... brauchsch eppes? ...  Nein, nein sagt er, er wolle nur mal fragen ob ich Lust auf ein Bier hätte. Ich meinte: Jo gern, seg mor ins afnocht im Schotzn-Heisl? Und dann denk ich mir ... ist doch schön, früher habe ich den Franz immer versetzt, weil ich keine Zeit hatte ... oder wollte ich mir die Zeit nicht nehmen? Egal, ich freue mich auf das Bier heute Abend, weil dort auch das EM-Eröffnungsspiel übertragen wird.  

Weil grad die Dolomiten frei wird und ich noch etwas Zeit habe, schnapp ich mir auch diese Zeitung. Auch die Dolomiten titelt mit der EM, und auch das Thema Mobilität findet sich auf der Titelseite. Demnach hat die Durchschnittsgeschwindigkeit in ganz Europa sowohl auf Autobahnen als auch auf Landstraßen abgenommen. Entsprechend sei auch der CO2-Ausstoß zurückgegangen. Da fällt mir ein, dass prinzipiell das Auto als Statussymbol abgenommen hat und dass rasen komplett verpönt ist. Vielleicht ist das auch auf die zunehmende Elektromobilität zurück zu führen. Diese cruisen ja sowieso viel sanfter über den Asphalt.  Und zum Schreck der fetten hoch-PSigen SUV-Fahrer werden diese jetzt nicht mehr bestaunt, sondern eher belächelt. Der Autobranche hat die Coronakrise freilich einen ordentlichen Dämpfer verpasst und das hat leider auch die Entwicklung der E-Mobilität eingebremst. Wobei auch die Menschen heute anders denken. Das Auto ist nur mehr Mittel zum Zweck – von da nach dort zu kommen, wenn es mit Fahrrad oder Öffis nicht geht. Viele haben selbst gar kein eigenes Auto mehr. Schließlich kostet es ja viel weniger für einige male ein Fahrzeug zu Mieten, als Tausende von sich selbst entwertenden Euros herum stehen zu haben. Schon wieder machen es die Chinesen mit neuen Miete- oder Nutzverträgen vor wie das geht.  Und wir haben seit Corona auch etwas weniger Geld auf dem Konto. Ich selbst überlege mir jetzt eher wie viel und wofür ich Geld ausgebe. Die Perspektive hat sich geändert und damit auch die Geld-Prioritäten. 

Zurück zur Dolomiten. Dort findet sich auf Seite 5 ein Beitrag über Europa. Ein Autor beklagt rückwirkend, dass Europa in der Corona-Krise nicht zusammen gestanden hat. Jedes Land und sogar einzelne Bundesländer seien komplett eigene Wege gegangen, hätten sich gegenseitig so gut wie überhaupt nicht unterstützt. Anstatt sich gegenseitig unter die Arme zu greifen wurden die Grenzbalken herunter gefahren. Protektionismus  pur! Sanitätskapazitäten hätten mobil verschoben werden können – im Gleichschritt mit der Ausbreitung des Virus. Das Gemeinsame Europa hätte versagt. Er erinnert daran, dass beispielsweise China, Russland und Kuba – alles ehemalige kommunistische Diktaturen - den Italiener zu Hilfe geeilt seien. Es gab nicht einmal am Anfang der Krise Hilfsangebote aus dem hochgerüsteten Deutschland, welches sieben Mal mehr Intensiv-Plätze als Italien verfügbar hatte. Die Solidarität unter den EU-Staaten hatte jedenfalls kläglich versagt, denn warum sollte ein italienischer EU-Bürger weniger wert sein als ein bundesdeutscher. Nur Österreich war zumindest ein kleinwenig uns Südtirolern zur Seite gesprungen, hat sogar einige Patienten übernommen. Etwas später - zu spät - hat endlich auch Deutschland einige Corona-Patienten aus der Lombardei übernommen. Italien, welches fast noch am Boden lag ist hinterher mit seinen Erfahrungen sehr wohl anderen Ländern zur Seite gesprungen.
Nur finanziell ist die EU mit dem EZB-Rettungsschirm dem jetzt noch höher verschuldeten Italien entgegen gekommen.  

In der Rubrik Weltgeschehen lese ich über eine Initiative für ein weltweites Verbot von Wildtierhandel. Ein längst überfälliger Schritt denk ich mir, wenn man nach wie vor davon ausgeht, dass dieses Virus (und auch einige vorher) letztes Jahr vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Da fällt mir auch auf, dass das Virus sogar Bär und Wolf von den Titelseiten verscheucht hat. 

Einer weiteren Notiz entnehme ich, dass das Planetarium in Gummer in gewissen Nächten einen so klaren Blick in den Himmel hatte wie noch nie.  

Auf meinem Nebentisch wird es grad etwas lauter. Zwei Jugendliche und zwei wohl gut 30-jährige sitzen dort. Sie diskutieren über Corona. Das leicht alternativ gekleidete Mädel meint, dass Corona nur ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sei. Ein Wink der Natur - soweit ich das mitbekomme. Ihr Gegenüber wirft ein, dass es nichts anderes war als eine Verschnaufpause für die überlastete Umwelt. Es gäbe kein einziges vergleichbares Beispiel in den letzten 50 Jahren in denen die Umweltverschmutzung dermaßen zurückgegangen sei. Der gut 30jährige wirft ein, dass sich die Natur damals innerhalb weniger Monate sehr gut erholt hätte. Die Frau neben ihm meint dann aber, dass die Welt daraus wohl zu wenig gelernt hätte. Es sei ja wieder fast alles beim Alten. Dem widerspricht die Jugendliche. Es sei schon etwas besser.  

Auf Seite 13 lese ich über die Vorschläge für das  Verdienstkreuz des Landes Tirol. Es wird heuer unter anderen an Dr. Maximilian Mustermann aus Bozen verliehen, der schon angekündigt hatte diesen nur im Namen aller anderen Ärzte die im Kampf gegen Corona im Einsatz waren annehmen zu wollen. Auch die Krankenpflegerin Anna Hofer wird das selbe im Namen ihrer Kolleginnen und Kollegen tun.  

Auf der Kulturseite der Dolomiten lese ich über Klassische Konzerte, Kulturausstellungen und auch einige Kurznotizen über das Internationale Kunst- und Popgeschehen. Besonderes Interesse erweckt ein Artikel über Herbert Pixner, der für August ein Konzert auf dem Rittner Horn angekündigt hat. Wenn ich diesbezüglich zurück denke, wird mir kalt ums Herz. 2020 war ein krasses Jahr. Von März bis weit in den Sommer hinein gab es eine generelle Konzertpause. Größere Veranstaltungen mit  mehreren Tausend Personen waren schließlich erst im Spätsommer möglich. Ich kann mir das heute fast nicht mehr vorstellen.  Zum Glück haben wir jetzt diesbezüglich wieder eine gewisse Normalität.  Wobei wir auch das nur dem in China entwickelten und in den USA zugelassenen Impfstoff Xisterostol zu verdanken haben. Ja freilich, auch dieses dem SARS-Medikament ähnliche Zostileran hatte in der Heilung gute Wirkung gezeigt und dem Virus die Angst genommen. Alternative Ärzte hatten sogar darüber berichtet, dass das immunstärkende Naturheilmittel Echonazin geholfen hätte. Alles hat schlussendlich auch die Sterberate auf eine Grippetot-Rate reduziert.  

Der Sportteil ist natürlich der EM gewidmet. Aber ich lese auch über Radsport, lokalen Fußball, Leichtathletik und finde eine Liste mit den italienischen Teilnehmern an der Olympiade in Tokio. 
Auf der letzten Seite schließlich auch noch ein Bericht über das legendäre Dolomiti-Superbike-Event, welches in einem Monat in Niederdorf stattfinden wird. Über 4000 Biker sollen sich wieder angemeldet haben.  Da fällt mir ein, dass zeitgleich doch immer auch das Musikfestival Rock am Ring auf den Ritten über die Bühne geht. Meine Töchter werden sich an diesem WE also wohl am Ritten austoben während ich mit dem Mountainbike durch die Pustertaler Berge trete.  Nein, ich habe mir kein neues Bike dafür gekauft. Mein altes tut es auch noch ... ganz im Sinne meiner Geld-Prioritäten.  Das EM-Endspiel am 11. Juli um 21 Uhr werden wir uns wohl alle ansehen. Die Gitschn auf einer Leinwand bei der Arena Ritten und ich mit meiner Frau auf dem Dorfplatz von Niederdorf.  

Hoppala ... fast die Zeit vergessen. Ich habe ja mit Franz im Schotzn-Heisl ausgemacht. Tom  zahlen.! ... Thomas und seine Eltern, die die Bar hier führen, haben die Coronakrise übrigens überlebt. Einige wenige andere Bars, Pub´s und Lokale haben leider zusperren müssen, aber viele sind wieder offen und arbeiten laut Aussagen meines Bruders recht gut. Der Umsatz ist nicht jener von 2019 aber nach dem gewaltigen Frühjahrsloch von 2020 ist es jetzt wieder halbwegs okay.  Tom spendiert mir übrigens meinen „Liscio“. 

Ich schwinge mich auf mein Fahrrad, fahre über die Talfermauer ganz langsam Richtung Süden, biege dort illegal links ab, fahre auf dem Gehsteig (gegen die Einbahn) in die Museumstraße und denke mir dabei wie brav und „legal“ wir doch in der Corona-Zeit waren. Wir haben größtenteils die Anordnungen von Ministerpräsident Conte und Landeshauptmann Kompatscher befolgt. #ichbleibzuhause war angesagt. Eigentlich total absurd, freiheitseinschränkend und demokratiepolitisch illegal. Aber wir hatten uns damit abgefunden, es war gar nicht so schlimm. 
Museumstraße, Obstmarkt, Vintlergasse ... alles wie immer hier ... Radl abstellen und hinein in den Innenhof des Schotzn-Heisl. Ich sehe den Franz der zu Glück einen Tisch reserviert hatte. Da sehe ich auch noch die Susi, den Lenz, Rupi, Günther, Flori, die Vroni, und die Babsi. Toll ... viele von denen lange nicht mehr gesehen.  Wobei es heuer schon besser ist. Vor einem Jahr war es schon krass - erinnere ich mich. Nach der Quarantäne, da habe ich es wieder mehr denn je geschätzt „Gesellschaft“ zu haben. Es war wohltuend, ich war dankbar  für alles und dafür. Und das Bierchen schmeckte um Welten besser. Sogar besser als jetzt. Es war damals diese Befreiung nach der Stille, in der ich auch gelernt habe. Ich hatte Zeit das System zu überdenken. Vielen anderen ging es gleich. 
Bussi links – Bussi rechts – das geht ja jetzt wieder
 ... wir können uns noch unterhalten, weil der Anpfiff erst um 21 Uhr ist. Susi erzählt, dass sie grad mit ihrer Familie im Urlaub in der Toskana war. Mit dem Zug. Super, weil der Agriturismo sie direkt am Bahnhof abgeholt hätte. Bis zum Strand gab es Gratis-Shuttleservice oder Fahrräder. Ihr Mann Lenz sagt dass es echt geil war; Gutes Wetter,  Preis-Leistung OK, Wasser sauber. 
Rupi flüstert fast, dass er seit Herbst wieder mit seiner Frau zusammen ist. In der Coronakrise war es happig ... mit den Kindern und so.  Aber im Oktober haben wir beide eingesehen – sagt er - dass es Wichtiges und weniger Wichtiges gibt.  Wir hatten rückblickend eigentlich immer nur über kaum Wichtiges gestritten.  Wir sind uns dann auf einer neuen Ebene begegnet ... sagt er ... und beide hätten in Sachen Sturheit einfach jeweils 5 Punkte nachgegeben. Das freut auch Günther der zu Rupi meint dass ihr beide doch irgendwie zusammen gehört.  
Günthers Vater – das wussten wir alle – ist im September an Covid19 gestorben.  Da hatten wir diesbezüglich eigentlich das gröbste schon hinter uns. Aber es zirkulierten immer noch infizierte, symptomfreie Menschen. Diese konnten nach wie vor das Virus weiter geben und verbreiten – mit entsprechenden bekannten Folgen. Viele andere waren inzwischen aber längst immun.  
Flori sagt, dass er mit Vroni heuer wohl eher auf die Gampen Alm gehen wird um so richtig auszuspannen und die Natur zu genießen. Ich kann mich noch gut erinnern wie grad Flori und Vroni mit ihren Weltreisen immer geprotzt hatten ... Malediven, Panama, Südafrika und dann jeweils im Frühjahr mindestens Ibiza oder Lanzarote.  Und diesbezüglich fällt mir wieder ein wie ich vorher bei der Bar St. Anton in den Himmel gestarrt hatte und nur wenige Kondensstreifen ausmachen konnte. Im März letzten Jahres war es total unglaublich. Über dem Südtiroler Himmel waren so gut wie überhaupt keine Flieger mehr auszumachen. 

Der Kellner bringt noch eine Runde Bier – im Haus gebraut versteht sich. Auch das ist schlussendlich „regional“ denk ich mir. Es zahlt der Lenz. Na ja, er gehört zu den Gewinnern der Krise. Ende 2019 hätte er seinen kleinen Lebensmittelladen fast zusperren müssen, aber in der Krise hatte er dann Umsätze wie schon 15 Jahre nicht mehr. Er meinte kürzlich mir gegenüber, dass er auch jetzt noch von der Krise profitiere. Er hatte viele neue Kunden gewonnen die auch jetzt noch kämen. Leute aus dem selben Kondominium, die früher das Auto nahmen um in den Supermarkt zu düsen ... ohne zu verstehen, dass schon der Dieselverbrauch höher war als die Ersparnis. Ich habe in der Krise mehr Leute persönlich kennen gelernt als all die Jahre vorher – meinte er.
Lenz’ Frau Susi ist übrigens Lehrerin. Meine Frau und ich haben uns letzthin öfter mit Lenz und Susi getroffen. Susi erzählt immer noch gerne aus der Coronazeit ... geschlossene Schule, aber trotzdem viel zu tun. Sie war nie die hellste was Smartphone, Computer usw. angeht, aber die Lage damals hat sie dazu gezwungen sich mit der Materie mehr zu befassen. Fernunterricht und so. Heute ist sie froh endlich diesen Schritt in Richtung neue Medien und Technik gemacht haben zu müssen.  Und sie erinnert sich noch gut wie gern die Kinder danach wieder in die Schule gekommen sind.  Braver als vorher waren, besser mitgearbeitet haben und auch recht gute Ergebnisse gebracht hatten. Der ganze Lernstoff konnte nicht ganz aufgeholt werden, aber die Kinder hätten wohl viel mehr für´s Leben gelernt. Das fahle Wort Sozialkompetenz hatte einen neue Dimension erhalten. In Geschichte und Naturkunde wurden die Schwerpunkte endlich neu angelegt.  

Da fällt mir grad noch der Michl ein, der heute nicht hier ist. Er hatte gleich am Anfang der Krise seinen Arbeitsplatz bei einer Dienstleistungsfirma verloren, weil die zusperren musste.  Aber schon im August hat er ein Angebot in einer großen Firma für Internet und Kommunikation erhalten. Diese Firma hatte das Callcenter zurück gefahren und wieder auf echte Menschen gesetzt. Nein, der Michl ist kein Fachmann für Internet-Technologie geworden – er macht Telefondienst. Er ersetzt sozusagen einen unsympathischen Telefonbeantworter. Oder wie nennt man das? ... Drücken sie die Eins für Deutsch, die Zwei für Italienisch ... als Kunde drücken sie die Eins, als Neukunde die Zwei ... für Internet drücken sie die usw.  Der Michl kann grad soviel Italienisch wie es braucht zum Weiterleiten. Aber er hat so eine furchtbar angenehme Stimme. Michl ist so ein Typ den man nicht aus der Ruhe bringen kann. Ich habe mich für ihn gefreut als er diesen Job erhalten hat. Er ist nicht mehr 20, hat mehrere Unfälle gehabt und körperlich hat er sich bei seinem alten Job zuletzt ziemlich schwer getan. Er hat noch zehn Jahre bis zu Pension.  Michl´s Schwägerin - mir fällt grad ihr Name nicht ein - ist eine Macherin, erfolgreich, immer unter Strom. Sie hatte im November einen leichten Herzinfarkt – wahrscheinlich war es eine verschleppte und nicht auskurierte Grippe. Sie ist jetzt eh schon wieder ziemlich fit sagte mir der Michl. Michls Bruder - auch immer auf 150 -  lässt sich jetzt sogar gegen Grippe impfen. Und so wie wir alle aus Corona gelernt haben, blieb sogar er wegen einem ordentlichem Schnupfen und Husten heuer im Jänner daheim. Um sich richtig auszukurieren und andere nicht anzustecken.  

Das EM-Spiel wird angepfiffen. Italien tut sich anfangs gegen die Türkei relativ schwer.  Nun, ich bin kein großer Fußballfan, aber man lässt sich halt mitreißen. Ich halte meistens zu den vermeintlich Schwächeren – die sind mir immer sympathischer, speziell wenn sie die Topmannschaften ein wenig sekkieren. Aber mir tut auch jetzt grad Italien leid, weil das war ein klares Faul ... und der Schiedsrichter verweigert die Videoassistenz. Ist der bestochen denk ich mir, haben die immer noch nichts gelernt?  Na ja, einige Fußballvereine und auch vereinzelte Spieler hatten damals für die Bekämpfung des Virus gespendet, Beatmungsgeräte angekauft oder auch Nachwuchsvereine gefördert. Gar einige Top-Profis allerdings nicht oder nur mit lächerlichen Summen. Die hatten trotz Absage der Turniere und der Spielsaisonen weiterhin Millionen von Euro überwiesen bekommen, während der Hausmeister im Stadion vorläufig entlassen wurde und von der Sozialhilfe grad so leben konnte. Vom großen „Fair Play“ hätte ich mir damals etwas mehr erwartet. Und wenn ich mich richtig erinnere hatten damals nicht die Funktionäre und Spieler den Fußball gerettet sondern die Fans, die Geld für schon gekaufte Tickets nicht zurück verlangt hatten.  

Während es im Spiel so ziemlich lustlos hin und her geht fällt mir auf, dass wir hier zusammen sitzen, schreien, pöbeln ... die meisten für Italien ... als ob in den letzten 12 Monaten fast nichts passiert wäre. Dabei hatten wir einen wirtschaftlichen Einbruch wie seit fast 100 Jahren nicht mehr. Die Börse war Ende März letzten Jahres um 50 Prozent eingebrochen, ein Totalcrash war das. Auch im April ging es an der Börse und nur Auf und Ab. Konjunktur komplett im Eimer – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest rechnerisch ein Umstand aus dem man nie heraus kommen würde. In den Jahren zuvor sind wir bei der geringsten Steuererhöhung auf die Straße gerannt, haben uns furchtbar aufgeregt, wenn auch nur ein Beistrich irgendwo verändert wurde. Rückblickend waren das alles Peanuts ... Sandkörner ... im Vergleich mit dem was Covid19 wirtschaftlich angerichtet hat. 

Und trotzdem sitze ich, Franz, Susi, Vroni, Lenz und all die anderen fröhlichen Leute heute hier im Schotzn-Heisl und schauen auf die unwichtigste Nebensache der Welt.   Da fällt mir ein, dass ich meiner Frau versprochen hatte heute früher nach Hause zu kommen. Sie hatte sich heute entschieden Spätdienst zu machen, der um 22 Uhr endet. Sie hat jetzt so eine Art Gleitzeit oder wie sich das nennt. Sie kann es sich jedenfalls einteilen wann sie wie viele Stunden im Studio oder im Homeoffice ableisten will. Ich habe ihr Mittags gesagt, dass ich keine Radlrunde machen, sondern einfach dem Herrgott die Zeit stehlen würde. 
Und jetzt Halbzeitpause; 0:0 stehts immer noch und gleichzeitig ist es 21:50 Uhr, weil nachgespielt wurde. Sie wird ja immer ziemlich grantig wenn ich zu spät komme. Es ist dann meistens nicht nur der Umstand des „Zu Spät Kommens“, sondern das macht das viel zitierte „Fassl“ dann eben voll. Um ehrlich zu sein, früher habe ich mir zu diesen Zeitpunkt die Ausrede für später ausgedacht. Heute ruf ich an und sag dass ich mit Lenz, Susi, Franz und einigen anderen hier grad noch EM schaue und wohl etwas später kommen werde. Ich weiß, dass sie mir das verzeiht, weil wir beide jetzt andere Perspektiven haben ... eben nicht wegen jeder Kleinigkeit an die Decke zu rennen, sondern versuchen das Fassl immer halbvoll zu lassen. Wir haben beide gelernt Existenzielles und Nebensächliches klar auseinander zu halten.  

Während dieser Pause kommt Nachschub aus dem Zapfhahn und um 22 Uhr geht’s wieder weiter. Die Mannschaften stürmen aufs Spielfeld. Jetzt sind wir alle wieder beisammen. Spieler, die Zuschauer auf den Tribünen und die ganzen Fans weltweit vereint vor den Groß- und Kleinbildschirmen. Da fällt mir auf, dass es hier überall noch um Menschen geht. Um fröhliche, lebende und fordernde Menschen die aus einer Krise gelernt haben. Wir sind es die für uns und die Welt verantwortlich sind. Wir haben uns gerettet, nicht die künstliche Intelligenz, nicht die Computer und nicht die automatisierte Technik. Wer würde sich hier ein Fußballspiel zwischen den Robotermannschaften aus China und Taiwan ansehen? Ja, denk ich mir, dass nicht die Technik uns aus der Corona-Krise geführt hat, sondern wir Menschen die solidarisch waren, soziale Verhaltensformen geändert haben und Auflagen befolgt haben. Auf der anderen Seite waren wir unheimlich kreativ, konstruktiv, hilfreich, solidarisch ... die Forscher und Experten haben unmögliches geleistet, konnten auf die bis dahin entwickelte High-Technik zurückgreifen. Aber schlussendlich waren es Menschen die die Wende gebracht hatten. Wir sind Überlebendkünstler denk ich mir. Und alle anderen Lebewesen auch, denen wir es zuletzt aber immer schwerer gemacht hatten.  

Der Schiedsrichter pfeift ab, fast wie Landeshauptmann Kompatscher als er vor ziemlich genau einem Jahr die wichtigsten Beschränkungen durch den Coronavirus abgepfiffen hat. Bis dahin hatten wir auch in Südtirol ziemlich viele Covid19-Opfer. Durchschnittlich war die Todesrate aber glücklicherweise nicht wesentlich höher als in den Jahren vorher. Im Frühjahr hatten wir aufgrund der Ausgangsbeschränkungen keine Lawinentoten und kaum tödliche Verkehrs- oder Freizeitunfälle. In der Lombardei war der statistische Anteil leider höher als in den Jahren zuvor. Heute sterben nach wie vor einige Menschen an Covid19, aber die Anzahl entspricht jener der normalen Grippe.  Im Prinzip haben wir das Virus überlebt und leben in einer neuen Zeit in der so vieles anders ... besser ist. Ich kann mich noch an die Zeit Mitte-Ende März letzten Jahres erinnern. Viele Menschen hatten Angst, die Informationen waren konfus, kein Experte machte zufriedenstellende Prognosen oder musste diese 14-tägig revidierten. Die Überflutung mit Corona war fast wie ein Tsunami. 80% des TV-, und Radio-Programms – auch Webportale - bestand aus Corona. Jede Talkshow hatte nur dieses Thema zum Inhalt. Andere Nachrichten und Ereignisse spielten nur mehr eine billige Nebenrolle.

Die Angst war übrigens berechtigt, nachvollziehbar, menschlich ... aber eigentlich so ähnlich wie die Angst eines Kindes vor einer Spritze. Es tat schon weh vor dem Stich! Der effektive Stich hat dann natürlich mehr geschmerzt. Und eine kleine Narbe ist auch geblieben. 

Ich bin jetzt ruhig, das Spiel ist aus. Etwas so unwichtiges wie ein Fußballspiel ist einfach nur fertig. Sachen wie Fußball sind so unwichtig wie viele andere Dinge die vorher wichtiger waren. Wir haben gelernt, dass Mitmenschlichkeit, Freundschaft, Humanismus, Gesundheit, Umweltschutz, Solidarität, kleinere Kreisläufe, der Glaube an Gott oder an das Gute ... ja auch die Demokratie erstrebenswerter sind als Globalisierung und Egoismus.  

Pfiat enk ! i bin awek ... seg mor ins morgen beim Spiel Wales gegen Schweiz.  

 

 

 

12.  Juni 2021  ...

 

Ich schlafe heute etwas länger als sonst. Schließlich ist Samstag. Und der Wetterbericht gestern beim Sender Bozen – pardon Rai-Südtirol sagt man schon lange – hat nicht gerade Kaiserwetter versprochen. Die Prognosen sind inzwischen ja sehr gut, wenn es nicht grad um Vorhersagen von Epidemien oder gar Pandemien geht. Wobei ich schon wieder bei diesem Thema bin, das uns alle zwischendurch noch einholt. Die Folgen sind schließlich heute noch spürbar. Im Guten wie im Bösen pflege ich da immer zu sagen.
Na ja, erst einmal ein Frühstück; Kaffee, Brot, Butter & Honig ... Jogurt mit Müsli mach ich fast nur wenn ich eine Radtour vorhabe, wozu das Wetter heute nicht so einladend ist.

Im Hintergrund läuft übrigens auch jetzt Rai-Südtirol. „Frühstücksradio“ mit Jutta Kieser ... „Lissabon“ von Michael Aster bröselt mir grad entgegen. In der Nach-Coronazeit hat unsere Rai mehr Südtiroler Musiker ins Programm aufgenommen. Mit dem Sinn, dass mehr SIAE-Beiträge an unsere Musiker und Komponisten zurück fließen. Tolle Idee war das.
Nach dem Frühstück folgt gewohnheitsmäßig ein „Tschigg“ auf dem Balkon. Eigentlich hätten wir alle spätestens mit Corona das Rauchen aufgeben sollen, schließlich gehörten Raucher zur Risikogruppe. Ebenso wie alte Menschen oder jene mit Vorbelastungen.  Egal – nicht egal – aber was soll´s. Danach folgt traditionsgemäß der Weg auf dieses Örtchen mit diversen runden Keramikschüsseln. Mit dem iPad in der Hand lasse ich mich im Rückwärtsgang auf die mittlere Schüssel nieder. Das Abseilen dauert, aber ich hab ja das Streichel-Brettl ... www.salto.it  ist hier immer die erste Wahl. Ja, dieses Portal gibt es übrigens noch ... hatte in der Krise Klickraten wie nie zuvor. So wie viele andere Online-Angebote auch. 

Nun, während ich immer noch auch fortschreitende Aktivitäten im letzten, sehr verwundenen Teil einer menschlichen Öffnung warte, lese ich auf Salto den Beitrag mit dem Titel „Beim nächsten Mal“. Ich hatte ihn schon gestern als Noch Zu Lesen markiert. Irgendein mir unbekannter Ökonom hatte einen Gastbeitrag veröffentlicht in welchem er einen krassen Vorschlag in den Raum warf. Es handelt sich um eine Idee wie man die nächste Krise – egal ob Virus oder sonst was – wirtschaftlich und ökonomisch besser meistern könnte. Als „Mega-Cut“ bezeichnet er diesen radikalen Schnitt. Einfach am Anfang einer Krise wie jener mit Corona den Zahlungsverkehr - Geldfluss komplett einstellen. Er meint, man hätte einfach zu einem fixen Datum und für einen gewissen Zeitraum alles einfrieren sollen. Es wäre dann einfach alles stillgestanden was mit Geld, Börse usw. zu tun hat. Vom 1. April bis 30. Juni beispielsweise. Sozusagen drei Monate aus dem Kalender heraus schneiden. Niemand hätte Geld verloren, niemand sich auf Kosten anderen bereichert. Für alle anfallenden Kosten - etwa für Lebensmittel und andere überlebensrelevante Dinge - hätte der Staat aufkommen müssen. Es hätte nur einen Bruchteil von dem gekostet was 2020 weltweit an Unterstützungs-Billionen – zum Teil unsozial oder ungerecht – ausgeschüttet und verteilt wurde. Die Staaten hätten Lebensmittel und sonstigen Bedarf zum Engro-Preis und steuerfrei sozusagen äußerst günstig einkaufen und verteilen können. Der Kontostand der Bürger hätte sich also in drei Monaten nicht geändert.
Ich lese jetzt hier die Details und denke mir, dass das niemals umsetzbar gewesen wäre. Andererseits ?  Wäre es wohl einfach nur zu tun gewesen, denn im April hatte Italien schließlich auch angefangen Lebensmittel-Gutscheine auszuteilen und mit anderen Gesten das Volk ruhig zu halten.

Der große Sch(m)iss in die vertikale ist gerade geglückt. Es ist immer dieses Gefühl doch etwas Sinnvolles erreicht und abgeschlossen zu Haben. Ein täglich zu absolvierender Step, dem dann weiteres folgen darf.

Meine Frau und ich sind jetzt pronto. Wir wollen heute ja in die Altstadt um uns mit Renate, Luis, Helga, Kilian und Magdalena zum Aperitivo beim „Vögelchen“ zu treffen.
Wir nehmen unsere Stadt-E-Bikes – da schwitzt man weniger – und radeln dem Radweg entlang bis in die Leonardo da Vinci Straße. Abstellen und dann zu Fuß weiter. Da sitzt sie ja schon die ganze „Paggasch“. Kilian hat auch seine Bekannten aus Oberösterreich mitgebracht, die grad wieder in Bozen Urlaub machen. Wir kennen sie auch längst ... haben die eine oder andere Radtour mit ihnen absolviert. Man grüßt sich, mit etwas Abstand. Ganz eng macht man das ja jetzt nicht mehr. Ein Blick ins Innere des Lokals genügt um zu verstehen warum. Selbst jetzt sind noch gewisse Abstände geboten.
Letztes Jahr war es noch schlimmer. Nachdem das öffentliche Leben wieder langsam hochgefahren wurde, mussten alle Bar´s und Restaurants die mögliche Besucherzahl reduzieren. Tische wurden heraus genommen, die Anzahl an Personen pro Tisch und Größe musste angepasst werden. Direkt fein war es.  Wo wir uns vorher zu Dritt fast zwei Stühle teilen mussten, waren dann drei Stühle für Zwei verfügbar.

Auch jetzt sitzen wir hier vor dem In-Lokal im Schatten der Altstadthäuser und dieser altehrwürdigen Gemäuer. Aber zumindest müssen wir jetzt nicht mehr diese Gesichtsmasken tragen. Wir hatten uns ja fast schon daran gewöhnt. Virologen, Immunologen und wie die ganzen Experten heißen, hatten ja lange darauf bestanden ... mit dem Argument, dass das in China schon vor Corona Normalität war, und China vielleicht auch darum schlussendlich weniger Tote und Coronafälle hatte als die USA.
Aber das hatte sich ja später als reine Lüge heraus gestellt. China hatte mit den Zahlen ordentlich ja geschwindelt.

Wir stoßen an! In jetzt angemessener Form und Distanz. Der Prosecco ist gut. Er schmeckt in Gesellschaft immer besser. Und ja, der Willy – das ist der Chef hier – hat auch wieder Solzstangelen und Nissln hergestellt. Das war bis vor einigen Monaten verboten. Es gab sozusagen keine „offenen“ Lebensmittel mehr. In seinem Hotel am Ritten musste der Willy auch alles umstellen. Buffet gab es ja aus hygienischen Gründen nicht mehr. Es wurde alles nur mehr bestellt und serviert.

Die Renate erzählt gerade über ihren neuen Job nachdem sie von Helga drauf angesprochen wurde. Ihr passe es recht gut, sie müsse sich noch einarbeiten aber das sei kein Problem, weil ihre Vorgängerin noch dort wäre.
Renate hatte Glück, ihr fehlen noch acht Jahre bis zur Pension. Das ist fast 1 Jahr mehr als sie sich noch Anfang 2020 ausrechnen hatte lassen. Auch wir Männer müssen natürlich etwas länger buggeln. Auch das verdanken wir diesem Sch...-Virus. Italien ist finanziell bekanntlich komplett am Ende. Der EU-Rettungsschirm war mehr ein Rettungsreifen, dem schön langsam die Luft ausgegangen war. Nicht weil die anderen EU-Staaten nicht wollten, sondern weil einfach kein Geld mehr da war ... oder zumindest dort nicht wo es gebraucht worden wäre. Die sogenannten Corona-Bons – wie die richtig heißen weiß ich grad nicht mehr – haben schlussendlich ja die Chinesen aufgekauft. Man munkelt ja auf diversen Verschwörungsportalen dass China sich mit Corona die Weltherrschaft sichern wollte. Ich denke das ist Blödsinn, aber es ist klar dass schlussendlich China aus der Krise profitiert hatte. Anfangs brauchten wir Schutzausrüstung, technische Analysegeräte und Impfsubstanzen in unglaublichen Mengen. Und nur China konnte die in entsprechender Anzahl produzieren und liefern. Jetzt produzieren wir Europäer wieder einiges selber, aber einige dieser Hersteller gehören mehrheitlich auch wieder Chinesischen Investoren. 

Alex - der Stritzi - Freund von Kilian – ist auch Hotelier und Gastronom, so wie unser Willy hier. Er erzählt dass auch er letztes Jahr - so wie die Südtiroler Hotellerie - starke Einbußen hatte. Er sei aber nicht verschuldet gewesen und wäre darum halbwegs gut über die Runden gekommen. Auch weil ihm das Hotel selbst gehört und der Staat die Lohnkosten für die Angestellten so gut wie ausgeglichen hatte. Vorher hätte er zum Glück gute Jahre gehabt ... ein Polster angesammelt, sagt er.

Wir quatschen dann über dies und das. Wir leben schließlich in der Post-Corona-Zeit in der eine gewisse Normalität herrscht.  Wobei jetzt schon vieles als normal betrachtet wird was früher schlicht nicht normal war. Ich denke dabei an dieses Bewegungs-Tracking. Freiwillig – unter Anführungszeichen – hatten wir den Button für die Nutzungsbedingungen berührt ... früher sagten wir noch gedrückt ... ohne die 13 Seiten durchzulesen. Man ließ uns wissen, dass Datenschutz oberste Priorität hätte, man aber die Ausbreitung des Virus besser beobachten und verwalten könne. Es hat dann nicht so geklappt wie in Südkorea, weil unser 5G-Netz noch etwas nachhängt. 5G macht Tracking für jene die wissen wollen was wir wo tun präziser möglich. Dreidimensional sozusagen. In Korea hätten die Datenverwalter nicht nur den genauen Standort, sondern sogar das Stockwerk in dem ich mich grad aufhalte. Die wüssten jetzt so ziemlich genau, dass ich grad mit meiner Frau, mit Alex, Renate, Helga, Luis und all den anderen hier vor dem „Vögelchen“ sitze – seit genau 30 Minuten. „Wüssten“ !!! sie wissen es heute nicht, weil ich mein von mir selbst gekauftes „Ausspähgerät“ zu Hause gelassen habe. Extra! ... und eingeschaltet. Noch öfter schalte ich es letzthin einfach aus. Meine Freunde wissen das. Sie regen sich nicht mehr auf, wenn ich grad nicht abnehme oder nicht innerhalb von zwei Minuten auf WhatsUp antworte. Hannes, der Mann von Magdalena sieht das ganz anders. Er ist Bankbeamter, immer online, immer Up To Date, immer unter Strom. Außer wenn er mit mir Radeln geht. Da kann sogar der Hannes abschalten. 

Hannes ?  Ach ja, wo ist er denn? Du Leni ... wo hosch in Hannes heint? Frag ich sie. Sie zieht ihr Handy heraus, wirft einen Blick drauf und meint, dass er gleich hier sein müsste. Er fährt mit seinem E-Scooter grad über die Talferbrücke ... also müsste er gleich da sein.

Hannes - frech wie er ist – parkt nicht wie es sich gehört auf den eingezeichneten Abstellplätzen, sondern schleicht fast lautlos bis zu uns. Stellt seinen Scooter hin, nimmt den Helm ab und grüßt schon bevor er den Schlüssel abgezogen hat. Der Leni ist das immer peinlich. Sie mault ihn zusammen, dass man das einfach nicht tue und ... und ... und. Er gibt klein bei und parkt den Scooter wie es sich gehört.
Er, der immer zu tun hat, hatte es nicht früher geschafft. Aber jetzt ist er da, übernimmt das Ruder, erzählt wie ein Wasserfall ... natürlich über seine Bank, die jetzt auch in Krise sei weil die ganzen Unverschuldet Verschuldeten die Kredite nicht mehr zurückzahlen würden. Ich erinnere mich wie letztes Jahr alle Zahlungen aufgeschoben werden durften. Wir alle zahlten keine Steuern, keine Gebühren, keinen Strom und kein Gas.  Na ja, vorläufig nicht. Im Herbst und Anfang dieses Jahres hat es dann ordentlich geklappert. Neben den aktuellen Zahlungen waren zusätzlich die gestundeten des letzten Jahres fällig. Für einige war das dann das Ende. Aber die Wirtschaft im Allgemeinen hat sich erholt ... läuft schon wieder halbwegs gut – meint Hannes.

Während die Ladys über Chöre, Gleichberechtigung und noch anstehende Urlaube quatschen, hat bei den Männern die Fußball-Europameisterschaft das Ruder übernommen. Heute Nachmittag um 15 Uhr spielen Wales gegen Schweiz, um 18 Uhr Dänemark gegen Finnland und um 21 Uhr Belgien gegen Russland.

Wir sollten uns irgendwo treffen meint Hannes – irgendwo Public Viewing oder bei mir im Garten. Bei dir wäre toll, meint Luis. Er könne eine Kiste „Riegele-Bier“ mitbringen. Auch der Stritzi Alex und Kilian stimmen zu. Ich denk mir, eigentlich habe ich mit Franz und einigen anderen im Schotznheisl ausgemacht. Aber – denk ich mir – wenn ich mir gleich drei Spiele reinziehen möchte, wäre der Garten von Hannes und Leni sicher die bessere Wahl. Ich will jetzt niemanden versetzen und frage ob ich noch einige Kumpels mitbringen könne. Leni – immer die Ohren im Multitasking-Modus – hört das und meint, dass ich das logisch könne ... der Garten sei groß genug. Kilian wirft ein, dass es dann wohl zusätzlich „Flüssiges“ bräuchte ... Er wird sich darum kümmern. Ich bring einen großen TV – sag ich.
Und weil das alles noch zu organisieren ist, verabschieden wir uns auch schon.  „Zu Hause“ - dieses Wort klingt heuer schon viel besser – versenkt meine Herzallerliebste 500 Gramm Spaghetti in siedendes Meerwasser, während daneben schon eine hellrote Paradeiser-Soße im angerösteten Zwiebel verschwindet.  Zumindest Tischdecken könntest du schon – sagt meine Frau – während ich grad selbstgemachten Holersirup aus dem Kühlschrank hieve. Wollt’ ich grad, sag ich.  

Ein-Uhr-Nachrichten ... Tom Vornmetz - einer der Sprecher von Rai-Südtirol – erklärt uns, was in Südtirol und der Welt so alles passiert ist. Kaum eine Meldungen ist wirklich interessant oder aufregend. Na ja, vielleicht jene dass der Ex-US-Präsident Trump nach wie vor twittert und wettert was das Zeug hält. Er verstehe nach wie vor nicht wie sein Land einen Nichtsnutz wie Joe Biden hat wählen können. Er hätte die Coronakrise bestens gemeistert und sinnvoll für „Great America“ gehandelt.  Na ja, denk ich mir einige hunderttausend Tote? ... Aber das war eben Trump.

Dann höre ich auch noch eine Meldung wonach viele indigene Völker nach wie vor Angst vor Corona hätten. Sie hatten sich damals weit in die Urwälder zurückgezogen um einer Ansteckung zu entgehen. Jetzt tun sie sich schwer wieder heraus zu kommen ... ungeimpft und nicht wissend was draußen auf sie wartet. Die Inkas und Azteken hatten schließlich Erfahrung mit eingeschleppten Seuchen wie Pocken, Grippe, Masern, Cholera. Wir hatten in der Schule ja gelernt: Ohne diese Krankheiten hätten sich die Europäer damals an diesen Ureinwohnern wohl die Zähne ausgebissen. Ohne Beatmungsmaschinen, Intensivstationen und dem entsprechenden Personal hätten wir uns voriges Jahr allerdings auch hart getan ... denk ich mir.

Wetterbericht ... keine Änderung ... unser Wetterfrosch Peterfin meldet stark bewölkt, warm, aber nur vereinzelte Niederschläge.  Gut ... der EM-Party beim Hannes steht nichts mehr im Wege. Außer dass ich noch Franz anpiepen muss um zu fragen ob er und die anderen nicht Lust hätten zum Garten-Viewing by Hannes zu kommen. 

Wir genießen die gekochten Mikado-Nudel al Pomodoro, al dente ... sie rechts-drehend, ich links-drehend. Komisch, ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass sie die Spaghetti
in der falsche Richtung auf die Gabel dreht. Nach 25 Jahren muss mir das auffallen?  Sie meint dann, dass wohl ich falsch drehen würde. Früher wäre es schon wieder losgegangen ... wer hat Recht? Aber das sind eben solche Kleinigkeiten über die wir uns nicht mehr streiten, sondern eher lachen. Das tut gut!

Abspülen tun wir nicht, das elektrische Hausmadl kann das besser und verbraucht viel weniger Wasser als ich. Beim Stromverbrauch würde ich wohl besser abschneiden, aber wir haben ja jetzt Ötzi-Strom – 100%ig Greenpower wie der Rudi Rienzer immer zu erwähnen pflegt. 

Während im Radio die Gudrun Hesser das Mittagsmagazin zu Ende moderiert und noch auf diverse Konzerte und Veranstaltungen verweist, steige ich durch das Treppenhaus 7 Höhenmeter in die Tiefe. Draußen steht mein Diesel-Bussl ... Net falsch verstehen ... ich meine den VW-Bus. Ich muss ja noch den Bildschirm für die EM-Übertragung bei Hannes aufladen. Das Bussl ist als Euro4 deklariert. Ich dürfte unter der Woche gar nicht mehr fahren, wenn nicht Corona das Fahrverbot aufgehoben hätte. Dabei fällt mir ein, dass ich im Januar letzten Jahres schon diverse Angebote für Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge eingeholt hatte. Der Umwelt wegen ... jo a bissl a wegen der Beiträge ... wollte ich eigentlich umsteigen. Aber jetzt muss es der Skandal-VW halt trotzdem noch tun. Weil Geld ist knapper geworden. Man schaut jetzt ja mehr wofür man Geld ausgibt.

Luis erwartet mich schon beim Hallentor. Er hatte beim Aperitivo versprochen mir beim Aufladen zu helfen. Der Luis war früher ein richtiges Monster von Mannsbild. Der hätte beim Reifenwechseln locker den Wagenheber ersetzt. Aber er hatte großes Pech. Während viele andere Covid19 ziemlich problemlos überstanden hatten, hat er bleibende Schäden davon getragen. Er war in häuslicher Pflicht-Quarantäne, da er Kontakt zu einem nachweislich Positiv getesteten hatte. Erst nach acht Tagen zeigte er Symptome ... das Bier schmeckte nicht mehr richtig, Husten, Fieber und dann Atemnot. Er wurde schnell ins Moritzinger Krankenhaus gebracht und musste an die Beatmungsmaschine angeschlossen werden.  8 Tage lang, dann noch eine weitere Woche unter Beobachtung.  Er hat mir später einmal davon erzählt wie brutal das sei, wenn du denkst du gehst einfach drauf. Keine Luft zu kriegen ... des wor prutal - konnsch dor net vorstelln ... sagte er danach oft. Die „Ventilatori“ - wie sie die Italiener nannten - halfen zwar, aber tagelang einer Maschine und dem Personal danken zu müssen, dass sie einem am Leben erhalten ist ein sehr eigenartiges Gefühl – bemerkte Luis. Seine Lungenfunktion ist seit letztem Jahr ziemlich eingeschränkt. Als Wagenheber taugt er nicht mehr, als mein Freund sehr wohl.

Rein mit dem 80-Zoller, inklusive Standfuß und Antennen-Kabel versteht sich. Und ab nach Gries in den inoffiziellen EM-Public Viewing-Garten von Hannes. Alles klappt wie am Schnürchen. Der TV steht im Nu, Bier & Prosecco ist kalt gestellt, und der Fritz - der Sohn von Hannes - hat auch schon den Grill von Laub und Dreck befreit. Widerwillig versteht sich ... aber EM schauen auf großem Bildschirm machts möglich. Sogar zusammen uns „Vecci“. Leni ruft aus der Küche: „Fri-itz ... kannst du bitte auch noch Holz aus dem Keller holen, weil wir danach auch noch Grillen wollen“... Das Gesicht, die Gestik, die Hände und dieses mindestens 20 Sekunden währende „aaAAàáA`á--- aaAAàáA`á--- aaAAàáA`á“ eines nachpubertierenden Jugendlichen spricht Bände. Irgendwo einzuordnen zwischen einem Orgasmus und dem Drücken auf einer Keramikschüssel. Wir alle kennen das. Wir haben oder hatten schließlich auch Nachwuchs in diesem Alter.

Nun, wir sind ready. 14:35 Uhr, Signal passt, ZDF läuft und meine Frau ist auch inzwischen angekommen... mit dem Fahrrad, welches wir danach ja in den VW-Bus schmeißen können. Franz hat nur den Lenz und Susi mitgebracht. Die anderen treffen sich erst am Abend zum Spiel Belgien gegen Russland im Schotznheisl. Alle anderen vom „Aperitivo“ sind auch schon hier.

Alex – der Stritzi - meint, dass wir doch schnell noch im ARD diese Sondersendung über Nachwehen der Coronakrise gucken könnten, während der ZDF-Sportmoderator nur einige neue Regeln mit dem Kommentator ausdiskutiert. 
Und tatsächlich, in der Sendung geht es um Klagen und rechtliche Dinge. Deutsche Staatsbürger hätten Skiorte in Österreich und Südtirol verklagt. Die Rechtslage sei nach wie vor unklar. In den USA das selbe Problem. Dort sind die Gerichte seit Monaten mit Fällen beschäftigt um zu klären wer wen angesteckt hatte ... mit den entsprechenden Folgen. Oft spielen auch Versicherungen eine Rolle. Die ganze Sache hatte bekanntlich unglaubliche Ausmaße angenommen. Selbst in Italien haben 60-jährige die Sanitätseinheiten verklagt, weil ihre Eltern nicht an Beatmungsgeräte angeschlossen wurden. Rechtlich gesehen hatten sie sogar Recht, denn jedem Bürger steht in den meisten Ländern Europas das Recht auf lebensrettende Behandlung zu. Nur waren diese eben nicht immer und überall verfügbar. In der Lombardei mussten Ärzte tatsächlich auswählen wen sie an eine Beatmungsmaschinen anschlossen oder einen Intensivplatz zur Verfügung stellten. Die brutalste Entscheidung die Ärzte zu treffen hatten war jene, einen bereits intubierten Patienten wieder von der Maschine zu nehmen – definitiv sterben zu lassen – weil ein jüngerer, gesünderer Patient die größeren Überlebenschancen hatte. Man ist dann dazu übergegangen Patienten mit sehr geringer Überlebenschance gar nicht mehr an die Maschinen zu hängen und lieber das Bett für den nächsten Menschen mit größerem Überlebenspotential frei zu lassen. Ethisch gesehen warfd das für jene Ärzte und Ärztinnen die das zu entscheiden hatten die reinste Hölle. Und im Herbst rollten dann schon die ersten Klagen ein. Rechtsanwälte forderten Dokumentationen, Abläufe und Erklärungen ... natürlich ging und geht es dabei nur ums Geld. Es ist schlicht eine Frechheit wie heute noch Menschen aus diesem Notstand Kapital schlagen wollen. Es soll Fälle geben in denen 100.000€ Schmerzensgeld eingefordert wird – für an oder mit Covid19 verstorbene 95-jährige.

.... die Geschichte geht weiter ...